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Der Weg in die Selbständigkeit

Macht es Sinn sich selbständig zu machen?

Das ist mitunter eine sehr wichtige Frage. In der Regel relativ dicht geknüpft an die nächste Frage, wann man sich selbständig machen muss.

Es macht Sinn, wenn man über das „Hobby“ hinaus will und Geld damit verdienen will. Das klingt alles recht salopp und einfach, allerdings muss man sich darüber im klaren sein, welche Folgen es hat selbständig zu sein. Man braucht einen gewissen Geschäftssinn, Kontakte, muss mit Kunden umgehen können, reden können, sich durchsetzen können, ein dickes Fell haben, Geld zum investieren und Durchhaltevermögen haben. Fehlt dir einer dieser Punkte, wird das ganze wohl nichts werden.

Wann muss ich mich selbständig machen?

Du musst dich selbständig machen, wenn du eine Gewinnerzielungsabsicht hast. Alles andere ist Liebhaberei (nur Verluste generieren)

Wie läuft der Weg in die Selbständigkeit ab?

Im Prinzip ganz einfach: Man geht zur Gemeinde und meldet das Gewerbe an.

Dann kommen die Formalitäten von sich aus auf einen zu. Das Finanzamt, die Handwerkskammer, die Berufsgenossenschaft und ein paar Betrüger melden sich bei euch.

Je nach Bundesland verlangt die Handwerkskammer unterschiedlich hohe Beiträge. Meistens ist man im ersten Jahr befreit, zahlt nur für die Anmeldung, im zweiten Jahr den halben Beitrag und dann den vollen. Weitere Informationen und die für euch zuständige Handwerkskammer findet ihr unter handwerkskammer.de

Bei der Berufsgenossenschaft (die BGETEM) kann man sich befreien lassen, wenn man nicht mehr als 100 Arbeitstage (=8 Stunden) im Jahr als Fotograf arbeitet. Diesen Befreiungsantrag muss man im Vorhinein stellen (kann man einfach per eMail anfordern). Eine nachträgliche Befreiung ist nicht mehr möglich. Durch die Befreiung muss man keine Beiträge zahlen, erhält aber auch keine Leistungen. Mehr Informationen findet ihr auf bgetem.de

Das Finanzamt wird einem den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung schicken. Dort muss man sich entscheiden, ob man Soll- oder Istversteuerung in Anspruch nimmt, und ob man die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt. Dies kann man machen, wenn der Umsatz 17.500 € im laufenden und 50.000 € im Folgejahr nicht übersteigt. Dies befreit euch von der Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen. Ihr schreibt eure Rechnungen ohne Umsatzsteuer, bekommt aber auch bei euren Kosten die Vorsteuer nicht zu 100% zurück. Wenn man am Anfang viel investiert, macht es unter Umständen Sinn, auch wenn man unter den 17.500 € ist, trotzdem die Regelversteuerung zu wählen, um die komplette Vorsteuer zu bekommen.

Detaillierte Fragen beantworten euch die Gründerzentren der Handwerkskammern in eurer Nähe.

Was kommt alles auf mich zu?

Beachte bitte, dass ihr Zeit und Geld für die ganze Organisation braucht. Es empfiehlt sich in der Regel immer zu einem Steuerberater zu gehen. Dieser kostet natürlich Geld, deckt mit seiner Haftung allerdings Fehler ab die er begeht. Ansonsten haftet ihr wenn euer Abschluss nicht stimmt. Und im Steuerrecht ändert sich viel und das stetig, die Verantwortung ist also sehr hoch.

Zudem müsst ihr noch Geld einplanen für die Handwerkskammer, eine Berufshaftpflicht, regelmäßig neue Ausrüstung, Hardware, Software, Miete, Versicherung für die Ausrüstung etc. Das summiert sich gleich auf ein paar Hundert bis tausend Euro im Jahr, die erst einmal verdient werden müssen.

Zeit werdet ihr auch eine Menge opfern, Pflegen der Homepage, Facebook, Kontakte knüpfen, Angebote schreiben, Weiterbildungen, Buchhaltung vorbereiten etc. Vergesst das nicht einzuplanen.

Wie viel muss ich verlangen?

Kurz gesagt, so viel, dass es sich lohnt. Aus der Praxis kann ich dir sagen, du musst auf einen Stundenlohn von etwa 60 € kommen, damit es sich lohnt. D.h. hast du ein Shooting das eine Stunde geht, ist man mit Nachbearbeitung etc. bei etwa 180€. Du kannst natürlich auch Shootings für 25 € anbieten die eine Stunde dauern und bei dem es 10 bearbeitete Bilder gibt, aber wenn du es durch kalkulierst (25 € / 3h Stunden [1h Fotografieren, 2h vorbereiten, nachbereiten und bearbeiten]) = 8,33 € ./. 19% UST = 7,00 € ./. 25% ESt = 5,25 € ./. Abnutzung der Ausrüstung = 10€ = -4,75 € ./. Beiträge, Versicherung etc 3€ = -7,75 € verlierst du mit jedem Shooting Geld. Selbst wenn du auf 0 kommst, hast du immer noch nichts verdient.

Wie viel muss ich investieren?

Für eine Ausrüstung mit der du solide arbeiten kannst (es kommt natürlich immer auf das Einsatzgebiet an, ob du nun nur Outdoor Portraits machst, oder auch Studiofotografie), und mit der du auch weiter kommst, sind es auf 3 Jahre verteilt etwa 15.000 € – 20.000 €. Dann fängt sich das ganze, weil man eben langsam alles hat. Objektive haben kaum einen Verschleiß, eine neue Kamera muss auch nur alle 3-5 Jahre her und die Verschleißteile sind nicht wahnsinnig teuer.

 

Wer den Willen, das Durchhaltevermögen, das Können und auch etwas Geld zum Investieren hat, wird mit der Selbständigkeit (vielleicht) glücklich. Fehlen diese Grundvoraussetzungen, macht ihr euch das Leben nur noch schwerer als es eh schon ist.

 

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No comments

  1. Yep, da gebe ich dir Recht. Wobei sich die Summe des Kapitals, das investiert werden muss, deutlich nach oben gehen kann. Stichwort: Backup (Kamera + Blitz) sollten von Anfang an doppelt vorhanden sein) (Anmerkung: eine Kamera wird nach ca. 3-4 Jahren technisch veraltet sein…. 7 Jahre sind nicht realistisch (dlas würde z.B. bedeuten, das man noch immer mit einer Canon 5D Mark I unterwegs ist) Wer ein Fotostudio einrichten will, hat Investitionskosten sowie monatlich die Miete Versicherung ect zu bezahlen. Die (unbezahlte) Zeit für die Akquise ist nicht zu unterschätzen. Weiterhin sollte man von Anfang an der Selbstständigkeit für das Alter sparen. Weiterhin kommt die Krankenversicherung dazu, die man als Selbstständiger zu 100% selbst zahlt… Wer angestellt ist, muss sich das OK seines Arbeitgebers holen! Wer es nicht macht, liefert seinem AG einen Kündigungsgrund frei Haus… Ich bin der Meinung, das man sich als Fotograf spezialisieren muss – und gleichzeitig sicher sein, das man in diesem Bereich der Fotografie Geld verdienen kann. D.h. aber nicht, dass man seine Tätigkeit danach ausrichtet, wo es das meiste zu verdienen ist.. – sondern einen Bereich findet , was einem persönlich richtig Spaß macht 🙂

    vg Andreas

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