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Wie bekomme ich fließendes Wasser schön weich?

Es ist wohl so ein Thema, was sich irgendwann jeder Hobbyfotograf vornimmt. Man möchte das Wasser eines Wasserfalls, eines Flusses oder die Brandung am Meer schön weich bekommen.
Ich beschreibe euch anhand von ein paar Bildern, wie man diese Wirkung erzielt.

Gut ist, wenn ihr eure Kamera im manuellen Modus bedienen könnt. Für den Effekt, fließendes Wasser weich zu bekommen, ist die Belichtungszeit von Bedeutung. Wählt man eine kurze Belichtungszeit, „friert“ das Wasser ein. Man sieht mitunter kleine Wassertropfen bei sehr kurzen Belichtungszeiten. Verlängert man die Belichtungszeit, wird das Wasser weicher.
Um das Ganze vergleichbar darzustellen, habe ich ein Stativ und immer den gleichen Bildausschnitt verwendet. Ebenso habe ich in den Einstellungen nur die Belichtungszeit variiert, um den Einfluss auf das Wasser und das Gesamtbild deutlich zu machen.

Kamera: Nikon D5100
Objektiv: Sigma 17-50mm f2,8
alle Bilder: ISO 100, f 16, BW 22mm

Gegenübergestellt seht ihr jeweils die unbearbeitete Bildvariante (ooc=out of cam) und die korrigierte Variante in Lightroom (LR).

Bild 1:

verwendete Belichtungszeit: ¼ sec
Der Standort war eher schattig, das Wasser hat schon einen leicht weichen Touch, wirkt jedoch immer noch fließend, „lebendig“.

1_4-sec   1_4-sec-lr

Bild 2:

verwendete Belichtungszeit: ½ sec
Ich denke, ihr seht deutlich, wie sich die verlängerte Belichtungszeit auf die Gesamtbelichtung des Bildes auswirkt. Das Wasser wird zwar weicher, aber den hellen Bereichen droht schon eine Überbelichtung. Da ich in RAW speichere, ist es allerdings noch möglich, in der Bildentwicklung in LR dem Bild die Strukturen wiederzugeben.

1_2-sec   1_2-sec-lr

Bild 3:

verwendete Belichtungszeit: 1 sec
Hier wird sehr deutlich, dass die Verlängerung der Belichtungszeit seine Grenzen hat.  Das Wasser wird zwar auch weicher, aber es ist schon eine deutliche Überbelichtung.
Die RAW-Entwicklung zeigt immer noch genug Reserven, um die Belichtung zu korrigieren. Im Vergleich seht ihr wieder ooc und die in LR bearbeitete Variante.

1_1-sec   1_1-sec-lr

 

Spätestens hier solltet ihr euch Gedanken machen, welche Möglichkeiten es gibt, die Belichtungszeit weiter zu verlängern, wenn ihr das Wasser noch weicher haben möchtet.
Das bedeutet, ihr müsst die Lichtmenge noch weiter drosseln, die auf den Sensor trifft.
Mit der Blende könnte man die Lichtmenge drosseln, indem man die Blende weiter schließt. Abhängig vom Objektiv nimmt jedoch die Schärfe des Bildes mit dem Schließen der Blende wieder ab (s. Beugungsunschärfe).
Die ISO ist mit 100 schon minimal eingestellt, hat also auch keine Reserve mehr nach unten.
Und an dieser Stelle stoßt ihr auf die Verwendung eines Graufilter oder ND-Filter (Neutraldichte-Filter) genannt.
Diese Graufilter gibt es im Handel in verschiedenen Dichten, um die jeweilige Lichtmenge zu drosseln. Ich habe mir für meine experimentellen Zwecke einen Vario-Filter (günstigere Alternative)* gekauft, an dem ich drehe, um die Intensität der Abdunkelung zu wählen. Definitiv würde ich diesen jedoch nicht empfehlen, da er häufig Bildfehler produziert.

Bild 4:

Und so sieht die Aufnahme unter Verwendung des Graufilters aus, wenn er maximal abgedunkelt ist.

30-sec   dsc_6220-2

 

Das Bild wurde nun 30 sec belichtet. Der Effekt des weichen Wassers wird recht deutlich. Allerdings hätte diese Aufnahme eine noch längere Belichtungszeit vertragen, denn sie ist noch recht dunkel. Deshalb wurde die Belichtung in LR korrigiert.

Meine Erfahrung:
Es war ein interessantes Experiment. Am Ende muss man entscheiden, wo diese Technik Sinn macht, und wo es nicht mehr passt.
Für mich passt persönlich die Weichheit des Wassers im letzten Bild nicht mehr, was aber jeder für sich selbst herausfinden kann.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Probieren.

*Zum Thema ND-Filter wird es noch einen eigenen Blog geben, da dieser Filter nicht nur für fließendes Wasser eingesetzt werden kann, sondern eher ein übergreifendes Hilfsmittel ist.

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3 comments

  1. Wo sind die Bilder?

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