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Wie fotografiere ich die Milchstraße?

Herausforderung Milchstraßenfotos

Alle Jahre wieder ist es im Sommer für Hobbyfotografen ein faszinierendes Thema, einmal die Milchstraße zu fotografieren.
Es ist ein Thema, was gerade Anfängern viele Fragen, aber auch Frust aufwirft. Das muss nicht sein.
Ich möchte mit meinem Beitrag Anfängern auf die Sprünge helfen, sich an das Thema „Milchstraße fotografieren“ heranzutrauen.
Gleichzeitig nehme ich vornweg, dass ich mit diesem Thema nicht den Anspruch verfolge, den astrowissenschaftlichen Fakten gerecht zu werden. Vielmehr soll das Hobby Fotografie im Vordergrund stehen und einem Anfänger den Einstieg ermöglichen. Ich beschreibe in diesem Beitrag mein Vorgehen.  Wer tiefer in die Thematik eintauchen will, kann das gerne tun.

Vor 2 oder 3 Jahren kam ich mit dem Thema „Sterne fotografieren“ in Berührung und hatte nette Leute an der Seite, die nicht gleich mit den Worten daherkamen „du brauchst mindestens Vollformat“ etc., sondern in mir die Neugier erweckten, es auch mal zu versuchen.
Ich fotografiere mit einer Nikon D7100 (auch mit D5100) und dem Sigma 17-50mm f2,8.
Anfangs hatte ich schon aufstehende Nackenhaare, wenn ich die ISO hochdrehen musste und mir das Rauschen vorstellte.
Aber ich habe gelernt, Rauschen gehört dazu, ist nix schlimmes und kann in der Bearbeitung reduziert werden.
Da wären wir schon beim ersten wichtigen Rat.
Ein Foto von Sternen bzw. der Milchstraße beinhaltet 2 Arbeitsschritte, wenn man von vornherein Frust minimieren will.
1. Das Fotografieren der Milchstraße
2. Das Bearbeiten des Milchstraßenbildes (Entwickeln)

RAW vor der Bearbeitung
RAW vor der Bearbeitung
nach der Bearbeitung
nach der Bearbeitung

Schritt 2 ist bei Milchstraßenbildern ebenso wichtig, wie Schritt 1. Wer mit Bearbeitung nix am Hut hat und es der Kamera überlässt, frustriert sich an dieser Stelle schon einmal, denn die interne Verarbeitung an der Kamera stößt bei solchen Lichtverhältnissen leider an Grenzen. Aber auch hier kann ich nur versuchen, eure Neugier zur Bearbeitung zu erwecken, denn es ist spannend, am PC hervorzuholen und zu betonen, was der Sensor bei Nacht alles gesehen hat.

Und noch ein heißer Tipp. Du bist gut bedient, wenn du deine Kamera sozusagen aus dem FF kennst und blind bedienen kannst. Klar kann man auch eine Taschenlampe nehmen, aber es ist viel angenehmer, sich selbst zu orientieren, ob am Sternenhimmel oder in der Umgebung, wenn sich die Augen an die Dunkelheit angepasst haben.

Vorbereitung

Erste Überlegungen sind bei mir, welche Bedingungen ich für das Fotografieren der Milchstraße brauche. Da habe ich noch keine Kamera in der Hand.

wetterzentrale.de
wetterzentrale.de
  • Ich brauche einen klaren Himmel. Anhand solcher Grafiken kann man die Vorhersage der Wolkenentwicklung sehen. (Quelle: wetterzentrale.de)
  • Ich kann keinen Mond gebrauchen. Dafür gibt es genügend Apps, die die Mondphasen, sowie Mondaufgang und Monduntergang anzeigen.
  • Ich sollte wissen, zu welcher Uhrzeit die Milchstraße zu sehen ist.
    Jetzt im August kann man in Deutschland die Milchstraße um 23 Uhr gut mit bloßem Auge sehen. Den lichtstarken Bereich der Milchstraße sieht man in südliche Richtung schauend über dem Horizont aufsteigen. Die Milchstraße zieht zu dieser Zeit fast senkrecht nach oben, dort durch Kassiopeia (das Himmels-W).
    In den Monaten davor ab März, April ist das Fotografieren der Milchstraße in Deutschland auch möglich, allerdings erscheint diese erst viel später in der Nacht bis zum frühen Morgen. Im Jahresverlauf rückt diese Zeit pro Monat ca. um eine Stunde nach vorn. Da ich selbst früh raus muss, kann ich mich nicht motivieren, 3 Uhr oder 4 Uhr morgens zum Fotografieren hinausfahren, sondern warte lieber auf die Monate Juli, August, September.
  • Ich suche einen Ort auf, wo die Lichtverschmutzung gering ist. Da müsst ihr schauen, wo ihr wohnt, und wo ihr ggf. hinfahren müsst, um dem Stadtlicht zu entfliehen. Ich fahre raus und schaue mich um, habe aber auch den Vorteil, nicht in der Stadt zu wohnen. Meine Spots waren bisher keine 10 Minuten entfernt.
    Es gibt z.b. diese Seite, wo ihr euch orientieren könnt: http://www.lightpollutionmap.info

Die nächsten Überlegungen gelten der Technik. Was packe ich ein?

  • Kamera inkl. Akku und Speicherkarte
    Ich nutze die D7100, also eine Kamera mit APS-C-Sensor.
  • Objektiv
    Das sollte möglichst weitwinkelig sein und eine möglichst große Offenblende (kleine Zahl) haben. Wir haben kein Licht zu verschenken.
    Ich nutze das Sigma 17-50mm mit einer durchgängigen Lichtstärke von 2,8, habe aber auch schon mit dem Tamron 18-270mm so offenblendig wie möglich Sternenbilder gemacht.
  • Stativ – das wichtigste Utensil neben Kamera und Objektiv! Es sollte stabil stehen und eure Kamera sicher halten.
  • Fernauslöser
    Ich nutze einen Funkauslöser für kleines Geld. Alternativ kann man auch mit dem Selbstauslöser der Kamera (mit Zeitvorlauf) arbeiten, um beim Auslösen kein Verwackeln auf die Kamera zu übertragen.
  • Taschenlampe, für alle Fälle.

Los geht´s…

Eure Kamera stellt ihr im Speicherformat auf RAW, denn nur mit jpeg kommt ihr bei Sternenbildern nicht weit. Und dann kann es auch schon losgehen. Fahrt zu eurem ausgewählten Ort und baut eure Kamera auf. Den Bildstabi (falls vorhanden) schaltet ihr am besten gleich aus, braucht man auf dem Stativ nicht und er könnte nur Störungen hervorrufen.
Danach wartet die nächste Herausforderung, nämlich das Fokussieren bei Dunkelheit. Dazu beschreibe ich wieder mein Vorgehen. Ich suche mir einen hellen Stern oder eine weit entfernte Lichtquelle, stelle meine Kamera auf Liveview und zoome mit der Lupe ins Bild. Dann stelle ich manuell scharf. Das erkennt ihr, wenn die Lichtpunkte am kleinsten sind. Das könnt ihr auch im Hellen mal versuchen, denn es bedarf etwas Übung. Das „Unendlich“-Zeichen am Objektiv ist leider keine verlässliche Markierung.
Danach richtet ihr die Kamera in Richtung der Milchstraße, die man in südlicher Richtung am Horizont sehen kann. Ich finde es in der Bildgestaltung schön, wenn nicht nur Sternenhimmel auf dem Bild ist, sondern auch die Landschaft mit eingebunden wird. Da man im Dunkeln den Bildausschnitt nicht so gut sieht, mache ich eine Probeaufnahme, schaue sie mir an und korrigiere den Bildausschnitt nochmal.
Aber was stellt ihr nun an der Kamera ein?
Fakt ist, wir haben sehr wenig Licht.
Daher öffnet die Blende soweit es geht, bei mir ist das 2,8. Eine kleine Anmerkung, denn Anfänger sind oft verwirrt, wenn sie das lesen, denn man bringt Offenblende immer mit einer ganz geringen Tiefenschärfe in Verbindung. Aber die Gefahr besteht hier nicht, dass die Sterne bei Offenblende unscharf werden, da sich durch den Abstand zum Stern beim Fokussieren das ganze wieder aufhebt (Stichwort Hyperfokale Distanz, wer mehr wissen will).
Die Belichtungszeit ist limitiert durch die Erdrotation. Will man Sterne als Punkte erkennen, muss man das unbedingt beachten.
Dazu gibt es eine Faustregel / Rechenformel:
Vollformatkamera:             500 / BW = max. Belichtungszeit
Cropkamera (APS-C):         300 / BW = max. Belichtungszeit
In meinem Beispiel wäre das: 300 : 17mm = 17 sec., die ich nicht überschreiten darf.
Diese Rechnung ist aber nur eine Richtgröße. Bei meiner D5100 passt das, bei meiner D7100 muss ich auf 15 Sec. zurückgehen, da sonst die Sterne schon anfangen mit Ziehen. Es gibt im Netz auch diverse Rechner dafür.
Nun habt ihr Blende und Belichtungszeit maximal ausgereizt und den Rest muss die ISO machen, die ich deshalb auch „Lichtreserve“ nenne.
Auch hier extra für die Anfänger betont, unterscheidet bitte „Nachtaufnahmen allgemein“ und „Sternenfotos“. Hier gibt es ein kleines Verwirrspiel. Bei Nachtaufnahmen von Gebäuden etc. bleibt ihr mit der ISO in aller Regel auf 100, denn Gebäude rennen nicht weg und ihr könnt mangelndes Licht über die Belichtungszeit ausgleichen. In der Sternenfotografie funktioniert das nicht (Erdrotation) und eure einzige Chance ist die ISO.

Stellt also eure Kamera auf M (manuell) und schaltet den Autofokus aus (auch Bildstabi, wenn nicht schon geschehen).
Die Blende stellt ihr auf max. offen (kleine Zahl), in meinem Fall 2,8.
Die Belichtungszeit stellt ihr auf eure errechnete Zahl, in meinem Fall 15 sec.
Die ISO stelle ich auf 3200. Das schafft meine Kamera und ich kann euch nur sagen, traut euch. Ihr könnt auch vorsichtig mit 2000 anfangen, und passt dann an.
Eure Kamera stellt ihr auf Fernauslöser. Und nun wird es Zeit für den ersten Probeschuss.

Ihr schaut euch den Bildausschnitt an, ob der passt oder ob ihr nochmal schwenken müsst. Zoomt auch einmal in das Bild rein, ob die Sterne scharf sind, dann ggf. nochmal korrigieren (wie oben beschrieben) und schaut auch, ob die Sterne Punkte sind, oder schon Striche ziehen. Im Letzten solltet ihr die Belichtungszeit vorsichtig nach unten korrigieren.
So tastet ihr euch an die Einstellungswerte für eure Milchstraßenfoto heran.
Die Exifs zu meinem o.g. Bild sind Folgende:
BW 17mm *** Bel.-zeit 15 sec *** ISO 6400
Ich belichte lieber etwas heller, um viele Sterne einzufangen, und korrigiere dann in der Nachbearbeitung etwas zurück.

Ihr fragt euch vielleicht, warum das Vorher-Bild so gelblich aussieht, obwohl die Nacht klar und pechschwarz war? Der Weißabgleich meiner Kamera steht auf Automatik (das ist übrigens das einzige, was bei diesen Aufnahmen auf Automatik steht). Sämtliche Einstellungen des Weißabgleiches würden keine Ergebnisse bringen, die mir zusagen und da ich im RAW speichere, korrigiere ich den Weißabgleich bei der RAW-Entwicklung.

Bilder „im Kasten“, weiter gehts in der Dunkelkammer – Die Bearbeitung

Und schon kommt Teil 2 des Bildes, nämlich die RAW-Entwicklung.
Ich arbeite mit LR und nehme zuerst die Objektivkorrektur rein. Danach benutze ich den Weißabgleich-Regler, um über die Farbtemperatur das Gelb verschwinden zu lassen. Den Regler Tönung schiebe ich etwas nach rechts, um ein kleines bisschen magenta zuzugeben, was zur Milchstraße gehört.
An dieser Stelle ist es mir aber wichtig, zu schreiben, dass es mir in der Bearbeitung nicht auf die originalgetreue Wiedergabe der Milchstraße ankommt, was die Farbgebung betrifft, sondern ich mich eher von meinem Empfinden leiten lasse.
Wenn wir zum Sternenhimmel hochschauen, nehmen wir die Milchstraße eher schwarz/weiß war, da das menschliche Auge bei Nacht nicht in der Lage ist, Farbe zu sehen. Da ich persönlich den Nachhimmel mit einem tiefen grau-blau mag, bearbeite ich diese Bilder in diese Richtung. Ein zu grelles Blau hingegen ist wieder zu unnatürlich. In der Bearbeitung von Milchstraßenbildern gehe ich auch nicht sparsam mit dem Kontrastregler um, auch den Klarheitsregler kann man gut benutzen.
Mit einem Radialfilter über die Milchstraße betone ich die Lichter und Tiefen. In älteren Versionen von LR, wo es noch keinen Radialfilter gibt, kann man das mit dem Pinselwerkzeug tun.
Der Luminanzregler hilft euch, das Rauschen zu reduzieren. Aber Vorsicht, bei zu viel Rauschreduzierung wirkt das Bild schnell glattgebügelt.
Das Schärfen gehört bei mir an das Ende des Workflows und ich nutze beim Schärfen das Maskieren, um das Rauschen nicht wieder zu verstärken. Am Ende erfolgt die Ausgabe in Jpeg und fertig ist euer Milchstraßenbild.

Schaut euch im Netz gute Milchstraßenbilder an, und versucht, sie so in der Farbgebung und im Kontrast hinzubekommen. Ebenso gibt es viele Videotutorials zur Bearbeitung im Netz. Am Ende wünsche ich euch, dass ihr euren eigenen Weg findet.

Viel Spaß bei Ausprobieren.

Eure Kerstin

 

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