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Kamera Diebstahl im Ausland – Bericht, Tipps, Versicherung und Co.

Da meine Mutter ihrem Geburtstag entfliehen wollte, haben wir (Meine Frau, meine Tochter, mein Bruder mit Freundin und besagte Mutter) uns nach Zielen im Ausland umgeschaut. Da die Eltern meiner Mom früher immer in Frankreich waren, wollte sie auch mal in die Gegend um Nizza.

Wir buchten über ein Reisebüro eine schöne Suite im Hotel, dazu einen Mietwagen, der groß genug war für 5 Erwachsene, kleines Kind und viele Koffer.

Samstag, 21.07.2018

Die Kamera habe ich, bis auf ein Objektiv schön ins Handgepäck gepackt. Das mache ich immer, denn ich habe irgendwie Angst, dass mal jemand den Koffer öffnet und einfach alles raus klaut. Das eine Objektiv, 70-200 2.8 kam zu meiner Mutter ins normale Gepäck. Irgendwie war das Handgepäck eh schon wieder bei 14 Kilo angelangt, da musste ich Kompromisse eingehen. Alles war schön in einem silbernen Koffer verpackt, der Kamera Rucksack war ebenfalls im Gepäck das wir aufgegeben haben. Ich will ja nicht immer gleich ganz offensichtlich mit allem herum laufen. Nicht, dass es mir noch jemand klaut…

Der Flug lief ohne Probleme, das Gepäck kam zwar am falschen Förderband an in Nizza, aber am Ende hatten wir alles zusammen.

Im Hotelzimmer angekommen haben wir erst mal die ganzen Klamotten ausgepackt, meine Mom stellte das Objektiv, welches in ihrem Koffer war, auf den Schreibtisch im Zimmer und ich habe die restlichen Kamera Sachen noch alle in meinem Koffer gelassen. Jetzt war erst mal eine Runde Schwimmen am Pool angesagt.

Nach dem Schwimmen ging es dann wieder ins Zimmer, und ich packte meine Kameras, Objektive und das Objektiv das meine Mom auf den Tisch gestellt hat in meinen Foto Rucksack ein. Fast meine komplette Ausrüstung (nur den Body der 6D hatte ich zu Hause gelassen. Ich bin ja schließlich im Urlaub).

Was gibt’s eigentlich heute zum Abendessen? Schauen wir einfach mal, dann finden wir schon was. Am Frühen Abend sind wir dann also aufgebrochen, Töchterchen muss ja früh ins Bett, da darf es nicht zu spät werden. Vielleicht finden wir ja etwas, das schon vor 19:00 offen hat, was nicht so einfach ist in Frankreich.

Nachdem wir dann was gefunden haben, sind wir wieder ins Hotelzimmer zurück. Rucksack lag am Boden, alles gut.

 

Sonntag, 22.07.2018

Am nächsten Morgen ist meine Mom mit meinem Bruder schon ziemlich früh zum Frühstücken runter, meine Tochter und ich sind eher die Langschläfer. Wir sind dann erst gegen 9:30 runter. Eine Stunde später waren wir schon wieder zurück, mein Bruder ist auch zu uns ins Zimmer gekommen. “Auf geht’s nach Monaco!”. Ich greife zum Rucksack und hebe ihn hoch. Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr eine leere Wasserflasche, bei der ihr denkt sie ist voll, hoch hebt. Exakt das, nur 10 mal extremer ist genau in diesem Moment passiert. Der Rucksack war – leer.

Die Reißverschlüsse waren sogar geschlossen. Ich mache den Rucksack auf, und ein großes schwarzes Loch ist vor mir. Der Rucksack ist leer.

Mir wurde noch nie etwas gestohlen, und ich habe angefangen an mir selbst zu zweifeln:
Hatte ich überhaupt meine Kamera und die Objektive dabei? Na klar, sonst hätte ich keine 14 Kilo Handgepäck gehabt.
Wurde es mir in Nizza am Flughafen schon gestohlen? Quatsch, ich habe es ja am Abend zuvor eingepackt. Und das Objektiv, dass meine Mom auf den Tisch gestellt hat, welches ich auch eingepackt habe, ist ja auch nicht mehr da.
Habe ich es irgendwo im Zimmer versteckt, damit es keiner klaut? Ne, alles durchsucht, da ist nichts. Nicht unter dem Bett, nicht im Schrank, nirgends.

Wo zum Henker ist die Ausrüstung hin? Die Türe wurde nicht aufgebrochen, es wurde nichts durchwühlt, nichts. Es ist einfach alles verschwunden.

Ich bin natürlich gleich runter in die Lobby, habe es einem am Empfang berichtet. “Der Hotel Manager ist erst morgen wieder da” meinte der Franzose in schlechtem Englisch. “Man muss online einen Fragebogen bei der Polizei ausfüllen, sonst muss man 6 Stunden bei der Polizei warten” meinte er. Ihm wurde in sein Auto eingebrochen, und er hat den Fragebogen nicht ausgefüllt. Allerdings gibt es den nur in französisch. Ob ich französisch spreche? Kein Wort.

In Monaco gab’s dann eben nur Handy Fotos. Andere machen ja auch nichts anderes. Muss reichen… aber der Urlaub war fürs erste schon mal gelaufen. Wobei, eigentlich kann ich ja relativ entspannt sein. Ich bin ja bei Pöppings Fotografenversicherung und alternativ müsste die Hausratversicherung bei der Allianz in so einem Fall zahlen. Eine von den beiden wird schon einspringen.

Somit hab ich mich guten Mutes am nächsten Tag mit dem Manager getroffen. Er geht der Sache nach, wird Nachforschungen anstellen, mit den Mitarbeitern reden und meldet sich dann wieder bei mir.

 

 

Montag, 23.07.2018

Am nächsten Tag haben mich dann alle mit Namen begrüßt. “Good Morning Mr. Hoffmann” “Everything Ok Mr. Hoffmann?” “Do you need something Mr. Hoffmann?”. Doch das Ergebnis der Nachforschungen war etwas ernüchternd. Laut Log File der Türen war nur einmal am Vorabend die Keycard von einem Personal in unserem Zimmer als wir nicht da waren, ansonsten waren nur unsere Keycards für das Öffnen der Türen verantwortlich. Um die Zeit herum als wir beim Frühstücken waren, wurde einmal eine korrekte Keycard an die Türe gehalten, die Türe aber nicht geöffnet. Das sind die einzigen außergewöhnlichen Einträge.

Für das Personal verbürgt sich aber der Manager. Natürlich. Von denen lässt niemand was mitgehen.

Daraufhin hat der Manager bei der Polizei angerufen, und einen Termin ausgemacht. So muss ich keine 6 Stunden warten. Der Concierge kommt als Übersetzer mit, es würde zu lange dauern bei der Botschaft einen Übersetzer zu engagieren wenn wir in ein paar Tagen wieder abreisen.

Schwupps waren wir kurze Zeit später im Auto, und dann im Polizei Revier. 3 Leute vor uns. Gut, dass der Concierge dabei war, denn im Vorraum hat keiner der Polizisten englisch gesprochen. Nur französisch. Der Concierge hat nun also “Mr. Hoffmann” angemeldet. 6 Stunden müssen wir warten meinte der Polizist?! Wir haben scheinbar keinen Termin. Der Concierge diskutiert mit ihm, telefoniert dann mit dem Hotel, und findet heraus, dass nicht mein Name bei dem Termin steht, sondern der des Hotel Chefs.

Wir warten 20 Minuten, der Concierge fragt die anderen wie lange sie warten müssen. “Seit 2 Stunden sind wir schon da, und man muss 6 Stunden warten”. Warum? Weiß keiner. Man muss einfach 6 Stunden warten.

Dann geht eine Tür auf, der Kommandant kommt herein und holt uns ab. Puh, 5 Stunden 40 gespart. Der Kommandant nimmt die Anzeige auf, muss andauernd was unterschreiben, irgendwelche Leute von der Spezialeinheit GIGN unterhalten sich mit ihm, und irgendwann ist die Anzeige fertig. Ich habe ihm die Seriennummern und Namen der Objektive und Kameras gegeben. Die sind nun scheinbar in einer Liste und überall in Frankreich als gestohlen gemeldet.

Zu den Umständen im Hotel wurde ich nicht befragt. Das hat der Concierge alles dem Kommandanten gesagt. Ich habe es dann später durch Google Translate erfahren: “Einmal Personal, einmal Keycard hingehalten, aber die Türe nicht geöffnet”. Natürlich gibt es im Hotel keine Sicherheitslücke. Sonst müsste das Hotel ja eventuell noch für den Schaden aufkommen! Das will man natürlich nicht. Deshalb wird es einfach so hingestellt, dass es niemand aus dem Hotel war, und auch sonst niemand sein hätte können. Zahlen wollen die ja nicht.

Genau diese Art (wie will man sich wehren, wenn man die Sprache nicht spricht?) hat nun aber eine ganz blöde Konsequenz. Denn wenn das Hotel alles so hindreht, dass kein “Einbruch” stattgefunden hat, dann zahlt weder die Pöpping Fotografenversicherung, noch meine Hausratversicherung bei der Allianz.

Doch wie ist das Equipment verschwunden? Es muss relativ sicher ein Insider Job gewesen sein. Denn die Kamera, der Fotorucksack und die Objektive waren nie in der Öffentlichkeit sichtbar, da sie durchgehend in Reisekoffern gewesen sind. Das einzig sichtbare war das Objektiv aus dem Koffer meiner Mutter, das auf dem Tisch in der Suite (den man aber von außen nicht gesehen hätte, auch wenn die Türe offen gewesen wäre, da es ums Eck war) gestanden ist und mein Kamera Rucksack auf dem Boden, als der Room Service einmal, ohne dass jemand da war, in unserem Zimmer gewesen ist um das Welcome Present zu bringen. Der Rest der Ausrüstung war noch in meinem Handgepäck. Das ganze war gezielt auf die Foto Ausrüstung gerichtet, denn es wurde sonst nichts durchsucht, und mein Laptop der 1 Meter weiter stand wurde ebenfalls nicht angerührt. Nur aus dem Geldbeutel meiner Frau wurden 150€ geklaut, und der Geldbeutel wurde ebenfalls wieder verschlossen. Wohl um Zeit zu gewinnen. Denn das mit dem Geld ist selbst uns erst einen Tag später aufgefallen, als meine Frau einen Gag machte, dass ihr Geld sicher auch weg ist… Somit muss es entweder passiert sein, als das Welcome Present gebracht wurde, oder zu dieser Zeit hat jemand eine Keycard von uns mitgenommen und dann am nächsten Tag, als wir beim Frühstücken waren, das Zimmer damit aufgesperrt (deshalb gab es im Log File nur unsere Zimmerkarten, abgesehen von dem einen mal Personal). Wir hatten zwei verbundene Zimmer und 4 Keycards, von denen eigentlich nur eine im Einsatz war. Der Rest lag auf dem Tisch neben dem Objektiv rum oder ist im Stromschalter gesteckt. Also eine willkommene Einladung wenn man schon mal im Zimmer ist.

Die bittere Enttäuschung kam dann, als ich der Allianz geschrieben habe, bzw. mit Pöppings Fotografenversicherung telefoniert habe. Da kein Einbruch nachweisbar ist, gibt es wohl auch kein Geld von der Versicherung. Wie bitte? Ich fliege mit mehreren Kilo Handgepäck weniger nach Hause und bleibe auf dem Schaden sitzen? So steht es zumindest in den Versicherungsbedingungen…

Dienstag, 24.07.2018

In Nizza habe ich mich dann gleich darum gekümmert, dass die Seriennummern bei Canon etc. als gestohlen gemeldet sind. Sollte also jemand die Kamera oder Objektive zum Check and Clean, Reparatur oder ähnliches einschicken, erhalte ich Bescheid. Dies könnt ihr einfach über das Kontaktformular bei Canon machen. Zudem gibt es noch Seiten, die die Seriennummern der Kameras über die EXIFs finden. Sollte also jemand ein Bild mit meiner Kamera machen, im Internet posten, und die Suchmaschinen finden das Bild, könnte ich Rückschlüsse über den aktuellen Besitzer erhalten.

Canon:

Hier kann man das Kontakt Formular nutzen: https://www.canon.de/support/consumer_products/contact_support/

Wenn man die vorherigen Felder ausgefüllt hat, dann kommt man zur Art des Problems. Hier kann man dann den Diebstahl melden.

Anschließend erhält man eine eMail bei der man zusätzliche Informationen angeben muss.

Im Anschluss daran ist die Kamera bei Canon als gestohlen gemeldet, und sollte sie irgendwann einmal weltweit zu Canon geschickt werden, dann erhalte ich sie zurück:

 

Walimex

Hier ist die Firma Walser in Deutschland zuständig. Den Kontakt habe ich über die eMail Adresse von der Walimexpro Seite hergestellt und ihnen die Seriennummer sowie das Objektiv mitgeteilt: http://www.walimexpro.de/de/kontakt.html

Tamron

Bei Tamron gibt es wieder ein Kontaktformular, auch hier habe ich die Seriennummer als gestohlen gemeldet. Diese wollten das Modell, den Anschluss und die Seriennummer haben: https://www.tamron.eu/de/kontakt/

Sigma

An Sigma habe ich eine eMail geschrieben, hier gibt es scheinbar kein Kontakt Formular. Auch hier sind die Objektive nun als gestohlen gemeldet: https://www.sigma-foto.de/kontakt/

Donnerstag, 26.07.2018

Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das für ein Gefühl ist, ohne die Ausrüstung nach Hause zu fliegen. Man denkt sich immer, das kann doch nicht sein, man wacht auf und alles liegt im Schrank. Man fühlt sich einfach so machtlos…

Sonntag, 29.07. 2018

Heute habe ich auch bei der deutschen Polizei eine Anzeige erstattet. Sollte die Kamera oder die Objektive also irgendwo in Deutschland auftauchen, dann erhalte ich sie hoffentlich auch zurück. Das ganze wird an das Bundeskriminalamt gemeldet, und sollten meine Sachen zufällig auftauchen, dann erhalte ich sie hoffentlich wieder zurück…

Zusätzlich habe ich eine Eintrag im DSLR Forum gemacht. Hier gibt es auch eine Abteilung für gestohlenes Equipment: https://www.dslr-forum.de/forumdisplay.php?f=160

 

Die Schritte kurz zusammen gefasst:

Notiert euch irgendwo, am besten in der Cloud, die Seriennummern eurer Kameras und Objektive. Am besten jetzt sofort. Bei einem Diebstahl gleich dem Hotel melden, diese Meldung ist sehr wichtig. Im Anschluss daran gleich der Polizei vor Ort das ganze mitteilen (am besten mit Seriennummern, damit euch das ganze wieder zugeordnet werden kann, falls sie zufällig die Dinge bei einem Hehler entdecken). Seid ihr dann zu Hause, dann geht nochmal zur Polizei in Deutschland. Zusätzlich den Kamera und Objektiv Herstellern schreiben, dass die Sachen geklaut wurden. So stehen die Chancen relativ gut, es vielleicht irgendwann, auch wenn es nach Jahren ist, wieder zu bekommen.

Nutzt Dienste wie https://www.stolencamerafinder.com/um zu schauen, ob jemand mit eurer Kamera Fotos gemacht hat, und im Internet hochgeladen habt. So findet ihr eure Kamera eventuell auch wieder!

 

Mal schauen, was ich von der Allianz und Pöpping nun für ein Feedback erhalte. Auf jeden Fall werde ich euch über den weiteren Verlauf auf dem laufenden halten!

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